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Anima
Anima
Nein, nicht ICH leide darunter, sondern ein Freund von mir, der mir eigentlich sehr nahre ist oder war. Da ich depressiv bin, ist mir dieses Schweigen, das seit 6 Wochen an hält, anfangs unglaublich nahe gegangen, weil es so gar nicht passte.
Ich weiß nicht, was der Auslöser war, ich fühle mich auch nicht schuldig. Eine Wutphase hatte ich (die war ja damit super auf mich abgewälzt), aber ich habe mich nicht gehen lassen. Bin ruhig geblieben.

Der Mensch an sich ist ungeheuer sensibel und ich kenne die ganze Lebensgeschichte. Kein Wunder, dass sich da so etwas entwickelte, was jetzt aber keine Entschuldigung darstellen soll.

Im Augenblick ist es für mich fast ein "Phänomen", dass es so etwas überhaupt gibt. Aus diesem Grund interessiert es mich, ob jemand sich damit auskennt und ich lese auch gerne Berichte dazu. Also mal abgesehen von dem Buch "Warum Männer mauern" etc. Interessant sind auch die Bücher von Verena Kast (z. B. "vom Sinn des Ärgers").
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Ich suche zu diesem Menschen sicher keine Beziehung "mehr", da habe ich mich gelöst, aber a) weiß ich nicht, ob er sich noch einmal meldet und ich bin mir noch nicht sicher, wie ich mich verhalten soll und b) manchmal reitet es mich schon, genau zu wissen, was eigentlich der Auslöser war.

Wieso ich darauf komme und er nicht einfach die Kurve gekratzt hat? Ich habe Wut gespürt, er sprach auch einmal von Haß, dass ich ihn einmal hassen werde. Dass er oft nicht "abrufbar" wäre. Und einmal gab es einen Streitpunkt, da habe ich ihn aufgefordert, doch ruhig zu schimpfen o. ä. - nein, wollte er nicht, er wolle mich nicht verletzen. Aha. Also Flucht in die Arbeit und Unerreichbarkeit, bzw. - ich rufe gar nicht an, denn auf eine Abfuhr habe ich dann auch keine Lust.

Tja, hat noch jemand Erfahrungen gesammelt?
26.03.2013 20:52 •

Katie
Katie
Hallo Anima,

wie geht es dir inzwischen?

Ich hätte gern etwas zu deinen Fragen geantwortet, aber gesicherte Erfahrungen habe ich nicht.
Ich habe mich etwas eingelesen.
Allerdings denke ich auch, dass jemand, der sich mit dieser Störung selbst herumschlagen muss, es nicht einfach hat.

Zitat von Anima:Ich habe Wut gespürt, er sprach auch einmal von Haß, dass ich ihn einmal hassen werde. Dass er oft nicht "abrufbar" wäre.


Ziemlich sicher nehme ich an, dass jemand, der sich selbst so genau kennt, sehr viel Zeit benötigt, um Vertrauen und Sicherheit aufzubauen, dass
der Freund/die Freundin ihn grundsätzlich so nimmt, wie er *ist*, und nicht wie er meint, dass er sein sollte.
Dass jemand an sich arbeitet, ist im Grunde ja Voraussetzung überhaupt, dass er aber je vollkommen wird, wäre Utopie.
Wenn das rüberkommt, was ich in deinem Fall wohl glaube, sollte eigentlich eine Atmosphäre bestehen, die sich günstig auswirkt, sich auch bei Zeiten mit
seinen Schattenseiten anzuvertrauen. Das kann ich selbst übrigens auch total schlecht und ergreife da leicht die Flucht, wenn ich mal etwas habe
durchscheinen lassen. Es gehört eben ein sehr großes Vertrauen in die Person dazu. Dann tritt aber auch schon wieder Verlustangst auf, die dazu
führen kann, dass man sich zweckpessimistisch zurückzieht.

Aber bei allem sonst noch muss man wohl sehr darauf achten, die engen Grenzen der Verletzlichkeit des anderen nicht zu überschreiten, ohne sich dabei
selbst zu verbiegen, so dass man darunter leidet. Berichte doch, wie es sich weiter entwickelt hat.
Liebe Grüße :g020:
31.03.2013 18:10 •

Anima
Anima
Liebe Katie,

ich mag diesen Menschen immer noch, weil ich einfach keine Bösartigkeit spüren kann. Was mir hilft, um mit der Situation zurecht zu kommen, das ist genau dieses Wissen um die Problematik.
Er hat niemals gesagt oder geschrieben, dass er keinen Kontakt mehr wünscht. Nur, dass ich ihn eben hassen würde und er mich nicht verletzen möchte. Ja ich denke, er weiß um seine Problematik, nur habe ich das erstmals gar nicht
verstanden, um was es überhaupt geht.

Schwankend, wie ich damit um gehe. Jedenfalls hasse ich ihn nicht, manchmal tut er mir leid. Ich habe mich auch nicht von ihm zurück gezogen. Allerdings ist es manchmal ätzend, ich schreibe einen Ostergruß und - Funkstille!
Manchmal denke ich, ob es für mich besser wäre, wütend zu werden, kann ich aber nicht, denn ich weiß so viel von der Kindheit und Verzweiflung in diesem Menschen, dass ich es einfach nicht kann. Mein Bauchgefühl trügt so gut wie nie.
Würde ich als Fremde auf ihn zugehen, wäre er sicherlich ganz normal. Aber da ich so viel weiß und auch gesehen habe, wo er verletzlich ist, natürlich auch meine Fehler gemacht habe (aber nicht nur), zieht er sich zurück. Stimmt ja, er sagte einmal, er könne mir wohl nie das geben, was gut für mich wäre. Ohne zu wissen, um was es geht, eine schwierige Situation.

Das Gute ist, dass ich mit mir selbst alleine gut zurecht komme. Ja okay, es gibt Momente, wo ich am Liebsten hin fahren würde, um ihn zur Rede zu stellen. Aber dabei gehe ich von mir aus! Und das ist Blödsinn.

Ich werde weiter berichten.
31.03.2013 19:20 •

Katie
Katie
Liebe Anima,

ich lese in deiner freundschaftlichen Beziehung zu dem Mann keine Abhängigkeit von deiner Seite heraus.
Darum fällt es mir leicht, um weiteres Verständnis zu werben.
So, wie sich mir diese Persönlichkeitsstörung darstellt, scheint es so zu sein, dass diese Menschen kaum vertraute, alte Freunde über
Jahre und Jahrzehnte haben werden.
Aber ist es nicht auch gerade das, was unser Leben bereichert? Eine gemeinsame Vergangenheit, selbst wenn man sich zeitweise aus
den Augen verloren haben sollte, verbindet und ist wie ein Anker.

Neben einer intakten Familie und einem gesunden sozialen Umfeld am Arbeitsplatz ist das doch ein Faktor, der wie ein Netz, oder doppelter
Boden im Leben wirkt.
Zusammenhalt.
Ich stelle mir vor, dass in der therapeutischen Arbeit wohl ein Schwerpunkt darauf gelegt werden könnte, bestehende freundschaftliche
Beziehungen zu pflegen. Der Gedanke mag nun sehr ernüchternd erscheinen, denn eine Freundschaft lebt ja von Herz und Seele und nicht
von "üben wir das mal".

Allerdings könnte solch ein Gedanke evtl, etwas entschärfend wirken, wenn jemand sich (zu?) sehr zurückziehen muss, weil er eben nicht
anders kann. Es könnte sowas wie eine provisorische Brücke sein, über die es ein "Zurück" geben könnte.
Aber es gibt so viele offene Fragen. Ich verstehe, dass du dich da nicht abwenden möchtest. Doch da bist du sicher nicht alleine und wirst
bestimmt noch weitere Antworten erhalten.

Mir war in diesem Zusammenhang neulich ein Beitrag im Forum aufgefallen, der irgendwie auch hierher passen könnte. Ein Auszug:
Zitat von Mensch: Vielleicht sind da auch immer Trigger mit im Spiel. Dann heißt es nur nichts wie weg was mit fürchterlichen schämen verbunden ist und zwischenmenschlichen Irritationen logischerweise.
Gestern war ich voll da - und plötzlich weg...

Schau mal nach dem dritten Beitrag:

gesund-nichts-krank-t22580.html

Ich wünsche dir einen schönen Ostermontag. Tu dir was Gutes :a015:
Liebe Grüße
31.03.2013 20:44 •

Anima
Anima
Liebe Katie,

anfangs war ich zermürbt, weil ich überhaupt ein solches Verhalten nicht kannte. Aber da ich ja mittlerweile gelernt habe, erst einmal nicht etwas auf mich selbst zu beziehen. Mittlerweile bin ich einfach traurig, weil ich diesen Menschen in meinem Herzen noch mag. Ich habe ihn als sehr liebevoll und extrem verletzlich erlebt.

Ja es stimmt, er hat nicht viele Freunde, außer seinen Tieren. Familie ist ein Drama in Akten würde ich sagen und den Arbeitsplatz hat er sich so raus gesucht, dass er in keinem Team arbeiten muss, sondern ständig auf Reisen ist.

Mittlerweile kann ich mir durchaus auch den Auslöser vorstellen. Auslöser war Überforderung von vielen Seiten aus: Familiär, beruflich - und dann noch ich dazu.

Produktbeschreibung



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Nein, ich bin wirklich nicht böse. Manchmal grolle ich ein wenig, dann aber lese ich ein paar Zeilen von Verena Kast über das passiv-aggressive Schweigen und dann ist es wieder okay. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass er mir gerne Stärke bieten wollte, es aber nicht geschafft hat. Die Stärke habe ich!
Genau deswegen bin ich froh, dass er hier nicht als A.... abgestempelt wird. Es gibt durchaus Brücken, die er nicht abgebrochen hat!

Ich tue mir Gutes, zu gut, denn demnächst kann man mich wieder rollen. Ostereier aus Schokolade, Sünde! Außerdem schreibe ich weiter Bewerbungen, ich gehe meinen Weg. Und - ich lerne sogar aus diesem Thema.
Es wäre schön, wenn sich noch weitere positive Gedanken finden ließen. Vielen Dank Katie! :a015:
31.03.2013 22:48 •

Katie
Katie
Liebe Anima,

du hast nicht nur eine super Einstellung, du lebst sie. Das find ich Klasse !!

Liebe Grüße
31.03.2013 23:02 •

Anima
Anima
Ich habe auch sehr aufschlussreiche Bücher gelesen, die mir sehr geholfen haben - es ist nicht das Beschäftigen mit dem anderen, sondern mit sich selbst!

Demnach empfehle ich:
Vom Sinn des Ärgers - von Verena Kast
Funkstille - von Tina Soliman

Sehr gut für sich selbst ist auch:
Konflikte anders sehen - Verena Kast ( zu den eigenen "Lebensthemen").

Diese Funkstille, wie ich sie jetzt erlebt habe, hat ihr absolut Gutes bereits, denn ich habe gelernt, dass ich mich, wenn ein anderer Mensch aus Ärger schweigt (so wie z. B. meine Mutter und meine Schwester es stets getan haben), nicht die Schuld ständig auf mich laden muss. In jedem Konflikt gibt es nämlich zwei Seiten und nicht nur eine! Konfliktfähigkeit zu lernen, das ist etwas, das mir lange gefehlt hat, jetzt lerne ich es wohl.

Als meine Mutter letzte Woche mal wieder mir die Tür vor der Nase zugeknallt hat aus Wut über eine Nichtigkeit, war ich selbst nicht wütend. Ich habe daran gedacht, dass hier etwas passiert, das nicht unbedingt mit mir zu tun hat. Ja, sie hatte ihre beste Freundin gerade verloren. Ich habe das erste Schuldgefühl abstreifen können und war ruhig. Für mich ein ganz großer Erfolg.
01.04.2013 10:59 •

Martina
Martina
Liebe Anima,

Zitat von Anima:Als meine Mutter letzte Woche mal wieder mir die Tür vor der Nase zugeknallt hat aus Wut über eine Nichtigkeit, war ich selbst nicht wütend


Trotz allem ließe ich so nicht mit mir umspringen. Wenn jemand seinen Frust über eine andere Baustelle an mir auslässt, bin ich zwar auch nicht unbedingt sauer (kommt immer auf die Situation an), aber wenn mir jemand deswegen die Tür vor der Nase zuknallt, hätte ich den Kaffee auf. Verständnis ist ja schön und gut, es hat aber alles seine Grenzen. Da wäre es dann mal Zeit für etwas Selbstbeherrschung.
Wenn man solchem Verhalten dauernd Verständnis entgegenbringt, ist man diesem ja immer wieder ausgesetzt. Das könnte ich nicht.
01.04.2013 12:34 •

Anima
Anima
Für mich ist es ein Fortschritt, denn früher war ich scheußlich verletzt, durcheinander, verärgert und habe diese Gefühle in mich hinein gefressen. Die Wut anderer Menschen hat mich jedes Mal in eine Art Opferrolle versetzt. Jetzt fühle ich mich nicht mehr so und das ist ein großer Schritt für mich.
01.04.2013 15:29 •

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